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Black Ice

Lange Zeit ist vergangen, die Fans scharren nicht nur Monate sondern schon Jahre nervös mit den Füßen, so ist es nicht verwunderlich, dass vom neuen Longplayer „Black Ice“ gerade zu Messianisches erwartet wurde. In der Presse wurden beim Vorab-anspielen Vergleiche mit Back in Black oder Powerage gezogen und dann machen die 5 Australier mit Migrationshintergrund doch nur wieder das, was sie am Besten können. Ein Hardrock Album mit Blueseinflüssen.

Das Fanlager ist wie immer, seit dem Tod von Bon Scott, gespalten - Zwischen „totaler Kommerzschrott“ und „Bestes Album seit Back in Black“ schwanken die Extreme - und auch ich kann wohl niemanden von seiner Meinung abbringen. Was ich aber versuchen will ist, das neue Album aus einer Sicht zu beschreiben, die gleichermaßen von Scott wie Johnson geprägt ist und nicht zur Verteufelung oder Vergötterung einzelner Bandmitglieder - von Angus und Malcolm mal abgesehen ;-) - neigt.

Also, Black Ice in den Player und los geht unsere Zugfahrt mit dem Rock n' Roll Train. Die Singleveröffentlichung musste den größten Erwartungen standhalten, es gab keine Vergleiche aber auch keine Alternative. Der Riff ist eine Demonstration der „Keep it simple“-Strategie aus dem Hause Young, sogar ein Gitarrenanfänger kann nach kurzer Zeit im Tempo der Platte mitspielen - ohne sich die Finger zu verrenken. Was sich Anfangs vielleicht etwas dünn anhörte, wächst wie so viele Titel immer stärker mit dem Hören - inzwischen sicherlich einer der wichtigsten Mitgröhltitel auf der Platte.

An Skies on fire werden sich Geister wohl lange scheiden, meinen Beobachtungen zur Folge wird der größte Teil der Hörer mit dem Riff nicht viel anfangen können, für mich ist das einer der 3 Füller auf dem Album und von diesen auch noch das Schlusslicht.

Ein richtigen Stadionstampfer folgt mit Big Jack, treibender Rhythmus, eine harmonische Melodie, alles was man braucht um den Fan zu begeistern. Ein Song der beim ersten Hören zünden sollte.

Weiter mit Anything Goes - vermutlich die schwierigste Nummer auf dem Album. Ich verweigere mich allerdings dieses Stück „kommerziell“ zu nennen. Ich weiss nicht ob manche Fans ihren „Elite-Status“ als harte Heavy-Metal Freaks bröckeln sehen, wenn sie ein Lied gut finden, das im Radio, gespielt vielleicht auch bei der 14 jährigen Nachbarstochter ein gefälliges Kopfnicken auslöst - anders kann ich mir aber nicht erklären, warum gerade diese Menschen alles mit radiotauglicher Melodie als kommerziell brandmarken möchten. Anything Goes ist defintiv ein Highlight auf dem Album.

Direkt im Anschluss wird die Nachbarstochter wahrscheinlich allerdings den Sender wechseln, denn beim zweiten vorab veröffentlichen Song War Machine brauchte ich auch einige Durchläufe um das Kultpotenzial rund um den bösen Angus-Refrain zu erschließen. Live sollte der Song jedenfalls noch besser zur Geltung kommen. WAR MACHINE!!!!

Smash n' Grab ist zwar eine solide Rock n' Roll Nummer, aber auf diesem Album eher die zweite Füllnummer. Ein Problem für den Song stellt vielleicht die starke Konkurrenz auf der Scheibe dar, so bleibt nur das hintere Drittel in der Rangliste.

Mit einem treibenden Dampfhammer wird bei Spoilin' for a fight wieder in ein höheres Tempo gegangen, trotzdem sehe ich den Song nur im Mittelfeld der Scheibe platziert, ein ordentlicher Rocker - nicht mehr und auch nicht weniger.

Ganz schwierige Nummer ist Wheels. Die Strophen sind gesangstechnisch und melodiös in guter AC/DC-Tradition und lassen Gutes erwarten, doch die Geister scheiden sich für mich an der Melodieführung im Chorus. Ein verschossener Elfmeter, die Strophe nimmt guten Anlauf, doch im Refrain fehlt mir einfach die Harmonie und Passform. Knapp drüber, leider kein Titel den ich gezielt ansteuern muss.

Mit Decibel gehts wieder näher an die Wurzeln und auch näher an die beiden letzten Veröffentlichungen Stiff upper Lip und Ball Breaker. Sehr langsam und bluesig werden die Dezibel an die Ohren transportiert, gut für eine feucht-fröhliche Wohnzimmerrunde geeignet.

Anfangs noch nicht für Voll genommen, entwickelt sich der nächste Titel Stormy May Day eher hinten heraus durch „zielorientiertes Hören“. Der Chorus gehört diesmal für mich nicht zur Oberklasse, aber der Song ansich swingt und rockt.

AC/DC spielen Rock n' roll, Rock n' Roll, Rock n' Roll. Ihr glaubt das nicht? Lasst euch von She likes Rock n' Roll belehren. Gefühlte hundert Mal hab ich den Begriff im Songtext gefunden. Einer der eher durchschnittlichen Songs der Platte, der böse Angus (?) Chorus am Ende wertet das Ganze allerdings noch etwas auf, trotzdem für mich die Nummer drei des Dämmmaterials.

Doch keine Pause, ein grandioser Slow-Tempo Nackenschüttler ist Money Made, eingängige Melodie, ein Chorus zum mitgröhlen, eine stampfende Rhythmusfraktion und Brian zitiert zum Schluss ein wenig aus Jerry Lee Lewis' Whole lotta shakin' goin' on - was will man mehr.

Eine Ballade? AC/DC schreibt keine Balladen. Von Ride on und Love Song mal abgesehen. Aber keine Angst, auch mit Rock n' Roll dream haben sie keine Ballade veröffentlich. Trotzdem wird Brian gesangstechnische Freiheit wie schon lange nicht gewährt, die Strophen sind nur dezent rockend unterlegt und trotzdem ist es ein typischer AC/DC Song, nur erfrischend anders.

Unaufhörlich dreht sich die Scheibe dem Ende entgegen und anfangs wäre mir Rocking all the way fast nicht aufgefallen, doch dieser Song ist für mich inzwischen einer der heimlichen Hits - swingend wie einst There's gonna be some rocking möchte man unentwegt sich nur noch tänzelnd durch die Wohnung bewegen.

Den Schlußpunkt setzt der Titelsong Black Ice, der fast unauffällig startet, aber das ist bei schwarzem Eis - also der unsichtbaren Glätte auf ansonsten freien Straßen, wie es vorallem in der englischen und schottischen Heimat der Jungs vorkommt - nicht anders. Und wie beim schwarzen Eis, scheppert es auch hier hintenheraus ziemlich ordentlich, defintiv eine gute Livenummer.

Nach einer knappen Stunde sind wir am Zielbahnhof eingetroffen, doch Black Ice läd ein zu Mehr. Also wieder rauf auf den Führerbock, Kohlen rein, Türen zu und ab gehts……

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